Die Jagd auf Gummitiere

Bogenjagd 3D

oder: wie ich einen Gummibären erlege

Da die Bogenjagd in Deutschland verboten ist, hat sich ein fantasievoller Schütze die Bogenjagd-3D einfallen lassen. Hierbei ist eine Jagd nach gestellt und statt eines echten Bambis, kann man dabei ein originalgetreues Gummitier erlegen.

Und das geht so:

Auf einem Parcours (in Deutschland gibt es inzwischen einige und noch mehr in Österreich) sind Tiernachbildungen verteilt. Man begeht diesen in vorgegebener Folge. Abweichungen sollten dringend vermieden werden, da man sonst leicht in die Schussbahn geraten kann. 

Die Abschussposition wird durch einen Pflock vorgegeben. Dieser steht in jagdlicher Distanz zum "Tier". Das heißt, die Entfernung entspricht derer, bei der man ein reales Tier erlegen kann. Ein Häschen wird also nicht auf 40 Meter Entfernung stehen, ebenso wie ein Büffel nicht auf 10 Meter geschossen wird.

Bei Turnieren entscheidet oftmals die IFAA (International Field Archery Association) über die zu schießende Entfernung. Die IFAA hat einen Katalog aufgestellt, welcher die Entfernung abhängig von der Größe des zu schießenden Zieles angibt.

Da die jagdliche Distanz auch von der Bogenart abhängig ist, gibt es in der Regel 3 Pflöcke. Rot für Compound- und Visierschützen, Blau für Schützen ohne Visier und Gelb für Kinder.

Ist man nicht gerade beim Turnier, kann man natürlich von jedem beliebigen Pflock aus schießen. Dabei gehört der vordere Fuß an den Pflock. Hin und wieder hört man auch "ein Fuß am Pflock, egal welcher" oder "einen halben Meter links oder rechts vom Pflock". Ich bin der Meinung, der Pflock ist die geforderte Position und der halbe Meter davor lässt mich auch nicht besser treffen. Also: vorderer Fuß an den Pflock!

 

Jetzt geht's los!

Das spannende bei einer "Jagd" im Wald: da sind Bäume! Oftmals stehen die auch gerade da im Weg, wo man schießen sollte. Nun ist es essentiell, dass man eben diese ausblendet und sich ausschließlich auf das Ziel konzentriert.

Blog für Bogenschützen

Leichter gesagt als getan. Der Gedanke "Nicht den Baum treffen!" sorgt dafür, dass man eben dieses tut. Ja das Gehirn hat nur "Baum treffen" verstanden und wir, als instinktive Schützen, lassen unser Gehirn mal machen. Also nur keinen Gedanken an irgendwelche Bäume, Äste oder sonstige störenden Einflüsse verschwenden! Nur das "Tier" ist das Ziel.

Im Übrigen kommt es schon mal vor, dass während des Turniers um "Ruhe am Pflock!" gebeten wird. Auch wenn immer wieder  einige unbelehrbare Vögel des Waldes dies einfach ignorieren, sollte man als Turnierpartner die Konzentration der anderen Schützen nicht unnötig stören. 

Im Turnier hat man bei einer Hunter-Runde, wie auch der Jäger, nur einen Versuch. Ansonsten sind drei Schüsse möglich.

Der erste Pfeil der das Ziel trifft wird gewertet und beendet das Schießen.

Ist man nicht im Turnier, kann man üben bis der Köcher leer ist. Aber Vorsicht! Jeden daneben gegangenen Pfeil muss man suchen und der Wald hat die Eigenschaft Pfeile zu "verschlucken". Da ist man schnell mal um einige Pfeile ärmer.

Hat ein Pfeil das Ziel getroffen, ist das Schießen für den einzelnen Schützen beendet. Auch dann, wenn der Treffer vielleicht nicht ganz so schön ist, wie man's gern hätte. Der Nächste ist an der Reihe. Anschließend gilt es die Wertung aufzunehmen.

Im Turnier geschieht dies, nachdem jeder der Teilnehmer-Gruppe seine maximal 3 Pfeile geschossen hat.

Die am häufigsten verwendete Wertung lautet wie folgt:

1. Pfeil im Kill: 15 Pkt., 1. Pfeil im Körper: 12 Pkt.

2. Pfeil im Kill: 10 Pkt., 2. Pfeil im Körper:   7 Pkt.

3. Pfeil im Kill:   5 Pkt., 3. Pfeil im Körper:   2 Pkt.

kein Treffer: schöner Pfeilflug aber leider 0 Pkt.

Was ist nun aber Kill und welcher Treffer zählt?

Das Kill markiert den Bereich, der das Tier tödlich verletzten würde. Für Compound- und Visierschützen ist ein innerer Killbereich eingezeichnet, den es zu treffen gilt. Für alle anderen Schützen ist dies ein x, welches eine Art "Bienchen" darstellt und bei Punktegleichstand am Ende des Turniers für die Platzierung ausschlaggebend ist. 

Die Wertungszone (Kill oder X-Kill) gilt als getroffen, wenn der Pfeil die Markierungslinie anreißt.

Horn und Huf gelten bei den meisten Turnieren nicht als Treffer. Einige "Tiere" haben auch gemeinerweise einen Sockel, dessen Treffer natürlich auch mit 0 Punkten honoriert wird.

Um Unstimmigkeiten auszuschließen, kann man seine Pfeile auch Nummerieren. Bei Turnieren nach IFAA-Regeln ist es sogar vorgeschrieben. (inkl. Namen).

Das Regelwerk der IFAA ist eine umfangreiche Lektüre. Für alle Interessenten hier als PDF in der deutschen Übersetzung:

Download
Regelwerk IFAA.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.9 MB

Nachdem die Wertung aufgenommen wurde, werden die Pfeile aus dem "Tier" gezogen. Hat man daneben geschossen, heißt es nun erstmal Pfeile suchen. Hier erweist es sich als hilfreich, wenn man seine Pfeile nicht gerade in den Farben des Waldes befiedert hat. Auch wenn es etwas unmännlich erscheint, aber Rot und Pink helfen ungemein gegen Pfeilverlust. Auch ein Pfeilkratzer kann, besonders im Gras oder Laub, sehr nützlich sein.

Während man noch auf Pfeilsuche ist, könnte sich bereits eine nachfolgende Gruppe oder Person nähern. Für diesen Fall sollte man  gegebenenfalls ersichtlich machen, dass die Schussbahn  noch nicht frei ist. Zum Beispiel indem man seinen Bogen vor dem Ziel postiert. Generell wird jedoch nur solange gesucht bis die nächsten Schützen eintreffen, um den Ablauf nicht unnötig zu behindern. Auch die anderen schießen mal daneben und oft wird der verlorengegangene Pfeil durch die Nachfolgenden gefunden und selbstverständlich wieder gebracht.

Weiter geht es mit der Pirsch.

Das Nachtturnier

oder: Nachts sind alle Tiere hell

Nachtturniere gehören zu den beliebtesten Turnieren der instinktiven Bogenschützen.

Hier kann man seiner Intuition freien Lauf lassen. Man sieht ja eh nix. Außer das "Tier", denn das ist entweder mit Fackeln, Knicklichtern oder ähnlichen beleuchtet.

 

Keine störenden Umwelteinflüsse, wie Vogelzwitzschern, blendende Sonne oder ablenkendes Zweiggewedel. Allerdings fallen diese Ausreden dann auch weg.

Der Fokus liegt allein auf dem leuchtenden Fleck, in dessen Mitte sich in der Regel das Ziel befindet.

Ansonsten verläuft ein Nachtturnier in gleicher Weise wie das am Tag, aber meist mit weniger Zielen. Okay, das Pfeile suchen gestaltet sich hier etwas schwieriger, aber der nächste Morgen kommt bestimmt.

Von gewissem Vorteil sind bei der nächtlichen Suche Leuchtnocken. Die freuen auch den nachfolgenden Schützen, wenn sie im Tier stecken. Hervorragender Spot zum fokussieren!

So, ich hoffe, ich habe Euch auf den Geschmack gebracht, auch mal einen Parcours zu besuchen oder direkt bei einem Turnier teilzunehmen. Habt Ihr noch Fragen oder Anregungen schreibt sie uns als Kommentar in den Blog.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Harald (Mittwoch, 12 Dezember 2018 03:10)

    Klasse beschrieben! War zwar schon öfter im Parcours, aber noch nie im Turnier. Das werde ich wohl bald mal nachholen. Danke für den Beitrag. LG